Familienbeziehungen unter Bedingungen von Inhaftierung – Eine qualitativ-empirische Untersuchung zu Wechselverhältnissen von Ein- und Ausschluss aus der Perspektive von Inhaftierten und ihren Angehörigen (Vorstudie)

Projektleitung:  Prof.in Dr. Susanne Gerner
Projektlaufzeit:  Juli bis Dezember 2020
Förderung:        interne Forschungsförderung EHD

Kooperationen:   

Prof. Dr. Anke Neuber (Ostfalia Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel) 

AKTION Perspektiven für junge Menschen und Familien e.V.


Projektbeschreibung:

Die Inhaftierung eines Elternteils stellt einen Einschnitt in das Familienleben dar, von dem die Inhaftierten selbst sowie ihre Lebenspartner*innen und Kinder unmittelbar betroffen sind. Als besondere Konstellation familiärer Trennung stellt die Inhaftierung folglich alle Familienmitglieder vor spezifische Herausforderungen.

In Praxis, Wissenschaft und Politik erhalten in jüngerer Zeit vor allem Kinder von Inhaftierten erhöhte Aufmerksamkeit, wobei Entwicklungsrisiken sowie das Grundrecht auf einen alters- und entwicklungsgerechten Kontakt mit dem inhaftierten Elternteil herausgestellt werden (z. B. Adele et al. 2013, Deutsches Instituts für Menschenrechte 2017). Angesichts dieser Entwicklung erfolgen im Bereich des Strafvollzugs und der justiznahen Dienste derzeit verstärkt Anstrengungen, die auf eine Sensibilisierung für Kinderschutz sowie einen familienorientierten Strafvollzug abzielen (vgl. Feige 2019).

Obgleich die Forderung der Umsetzung von Kinderrechten im Kontext der Inhaftierung von Eltern dazu geführt hat, dass der dringende Reformbedarf im Strafvollzug politisch Resonanz erfährt, zeigt sich gleichzeitig eine Verengung von Forschung und Praxis auf die Thematik des Umgangs von Kindern mit ihren inhaftierten Vätern oder Müttern. Weiterführende Fragen, wie sich haftbedingter Einschluss in einer geschlossenen Institution, haftbedingte familiäre Trennung sowie haftbedingte Stigmatisierungs- und Ausschlussrisiken auf Familien auswirken oder welche Bewältigungsanforderungen jeweils für Väter, Mütter und Kinder damit verbunden sind, werden bislang kaum untersucht.

Das bundeslandübergreifende Kooperations-Projekt zielt darauf ab, diese Ausblendungen aus den Perspektiven aller Familienmitglieder sowie die daraus für die Praxis im Bereich der justiznahen Dienste resultierenden Widersprüche und Herausforderungen empirisch zu untersuchen und aufzuzeigen.

Folgende Forschungsfragen stehen im Zentrum des geplanten Kooperations-Projekts: 

  • Wie wird die Inhaftierung von den Partner*innen und Kindern inhaftierter Väter und Mütter erlebt? Welche Bewältigungsanforderungen und -strategien zeigen sich? 
  • Wie wirkt sich die Inhaftierung auf Familienbeziehungen und innerfamiliäre Interaktionen aus? 
  • Wie werden Maßnahmen zur Familienorientierung des Strafvollzugs und von Angehörigen erlebt?

Die explorative Vorstudie dient der Vorbereitung des geplanten hochschul- und bundeslandübergreifenden Kooperations-Projekts. Sie umfasst ein interdisziplinäres Review zum Stand der Forschung (Soziale Arbeit, Kriminologie, Soziologie) sowie die Erhebung und Auswertung erster qualitativer Interviews mit Angehörigen von Inhaftierten.


Weitere Informationen und Kontakt:

Prof. Dr. Susanne Gerner
Evangelische Hochschule Darmstadt
University of Applied Sciences
Studienstandort Schwalmstadt-Treysa
Elisabeth-Seitz-Str. 9
34613 Schwalmstadt-Treysa


Tel.: 06691 1814 57 
susanne.gernerping@eh-darmstadtpong.de

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