Unsere Absolvent*innen - Experten im Gesundheitswesen

Über 450 Studierende der Pflegewissenschaft haben Ihr Studium an der EHD bereits erfolgreich abgeschlossen und konnten sich in interessanten Positionen im Gesundheitswesen etablieren. Wir fragten einige nach ihren Aufgaben- und Handlungsfelder.

 


Felix Neuber

Die soziale Dimension der Gesundheit

Felix Neuber hat an der EHD Pflege- und Gesundheitswissenschaften studiert und sich später zusätzlich zur Pflegefachkraft ausbilden lassen. Ursprünglich hatte er ein Jurastudium begonnen, doch die Betreuung alter Menschen machte ihm mehr Freude. Nach Jahren im Ausland arbeitet er heute im Fachdienst Pflege der Nieder-Ramstädter Diakonie.

An den Wettstreit der Gefühle erinnert sich Felix Neuber noch sehr genau. Unter der Woche studierte er in Marburg Rechtswissenschaften und an den Samstagen und Sonntagen arbeitete er im Altenheim, um sein Studium zu finanzieren. „Der Unterschied war enorm“, sagt er. Die Atmosphäre bei den Juristen behagte ihm nicht, er empfand es als „Ellenbogen-Mentalität und fehlendes Miteinander“. Die „Karrierestrebsamkeit“, störte ihn. An den Wochenenden hingegen, „mit den Bewohnern im Altenheim habe ich mich wohlgefühlt. Das war das genaue Gegenteil.“ Schon während seines Zivildienstes hatte der gebürtige Darmstädter, der im Odenwald aufwuchs, im Seniorenheim gearbeitet und die Pflege kennengelernt.

Nach mehreren Semestern Jura zog Neuber die Notbremse und wechselte an die Evangelische Hochschule Darmstadt, die ihm Freunde empfohlen hatten. Den Bereichen Pflege und Gesundheit, die er aus der Praxis schon kannte, näherte er sich nun theoretisch wissenschaftlich. Die EHD war die richtige Wahl: „Das Studium war verschulter, ich habe mich mehr begleitet gefühlt“, sagt er. Studiert wurde in kleinen Gruppen statt in voll belegten Hörsälen, „die Dozenten*innen haben sich um uns gekümmert. Das war fast schon familiär.“

Inhaltlich setzte sich Neuber früh Schwerpunkte. Ihn interessierte nicht nur das Thema Alter und Demographie, sondern auch der Bereich der interkulturellen, transkulturellen Pflege und der Aspekt der Gesundheitsförderung für Menschen mit Migrationshintergrund - die Generation der „Gastarbeiter“, wie sie in den 1960er Jahren genannt wurde, und ihre Kinder, die heute in Deutschland älter und pflegebedürftig werden. Neuber spricht von „der sozialen Dimension der Gesundheit“. Ein Thema, das durch seine eigene Biografie bereichert wird. Seine Frau hat türkische Wurzeln. Mit ihr ging Felix Neuber nach dem Studienabschluss an der EHD nach Istanbul, wo er mit zweijähriger Unterbrechung bis 2014 lebte und arbeitete. Der 46-Jährige kannte die Metropole am Bosporus bereits. Schon das fürs Studium an der EHD erforderliche Praktikum hatte der Odenwälder damals an einem Deutschen Altenheim in Istanbul gemacht.

Während seiner Dekade in der Türkei arbeitete Neuber nicht im Bereich der Pflege, sondern unter anderem am Berlitz-Sprachinstitut als Deutschlehrer, wofür er eine methodisch, didaktische Fernausbildung am Goethe-Institut gemacht hatte. Nach der Rückkehr der inzwischen vierköpfigen Familie nach Darmstadt machte der EHD-Alumnus jedoch eine Ausbildung beim DRK zur Pflegefachkraft. Viele Jahre arbeitete er danach in einem Seniorenzentrum des Deutschen Roten Kreuzes in Darmstadt-Arheilgen, bevor er im April 2021 in den Fachdienst Pflege der Nieder-Ramstädter Diakonie in Zwingenberg an der Bergstraße wechselte. Die Arbeit im Seniorenzentrum machte ihm Spaß. „Es gab viele schöne Momente mit den Bewohnern“, betont er. Felix Neuber liebt den Kontakt zu den Menschen, betont aber auch, „dass die Arbeitsbedingungen nicht immer leicht sind.“ Nun also der berufliche Wechsel von der Praxis in die Planung und Organisation. Eine neue Aufgabe, auf die er gespannt ist.

Zwischendrin ist der EHD-Absolvent übrigens gerne an seine Alma Mater zurückgekehrt: Zwischen 2017 und 2019 hielt Felix Neuber an der EHD vier Seminare „Fachdeutsch für hochschulische Pflege“. Seminarteilnehmende waren Studierende aus dem Ausland. Irgendwie schließt sich da der biografische Kreis.

Text: Astrid Ludwig


Judith Seidel,

Abschlussjahr 2014, arbeitet als Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregionplus Miltenberg

EHD: Was sind Ihre Aufgaben?
Seidel: Die Gesundheitsregionplus Miltenberg besteht insgesamt aus drei Organen, dem Gesundheitsforum, den Arbeitsgruppen und der Geschäftsstelle. Als Geschäftsstellenleiterin bin ich die zentrale Management-,  Kontakt, Organisations- und Koordinationsstelle der Gesundheitsregionplus und aller ihrer Gremien und stelle den Kontakt zu anderen Netzwerken und auch den Landesgremien sicher. Ziel des Projekts ist es, den Landkreis Miltenberg in Gesundheitsfragen für die Zukunft weiterzuentwickeln und dadurch noch attraktiver zu machen. Themen sind u.a. der Fachkräftemangel in Pflege und Medizin, aber auch die Überwindung sektoraler Grenzen und der Abbau von Fehlversorgung durch die Entwicklung neuer Versorgungsformen und Konzepte auf regionaler Ebene.

EHD: Wie hat Sie ihr Studium an der EHD darauf vorbereitet?
Seidel: An der EHD habe ich gelernt, wissenschaftlich zu arbeiten und Zusammenhänge eines  immer komplexer werdenden Gesundheits- und Sozialwesens besser zu verstehen. In meiner jetzigen Funktion kommt mir die Fähigkeit über den eigenen Tellerrand schauen zu können, die ich an der EHD weiter ausbauen konnte, sehr zugute.

EHD: Welche Entwicklungsperspektiven sehen Sie?
Seidel: Die Weiterentwicklung und Aufwertung der sozialen Berufe, insbesondere aber des Berufsfelds Pflege, ist mir ein großes Anliegen. Perspektivisch sehe ich mich noch stärker in sozialpolitischen Zusammenhängen. Ich möchte Einfluss auf Entscheidungen nehmen können und somit zu einer Weiterentwicklung und Veränderung aktiv mitbeitragen.


Franziska Fuchs,

Abschlussjahr 2012, derzeit Trainee in der St. Franziskus-Stiftung Münster.

EHD: Was sind Ihre Aufgaben?
Fuchs: Während meines Trainee-Programms bin ich in der Pflegedirektion im Stifungskrankenhaus St. Bernhard Hospital in Kamp-Lintfort tätig. In einem eigenen Projekt widme ich mich der Einführung der Primären Pflege auf einer Station der Intensivüberwachungspflege. Von einer bisher aufgabenorientierte Pflege, in der Pflegekräfte um den Patienten herum Tätigkeiten verrichten, gilt es auf eine prozessorientierte Pflege umzustellen, in der die Pflegekräfte die umfassende Verantwortung für den gesamten pflegerischen Prozess, von der Aufnahme eines Patienten bis zu seiner Entlassung, übernehmen. Daneben begleite ich verschiedene Projektgruppen und den Alltag der Pflegedirektion.

EHD: Wie hat Sie ihr Studium an der EHD darauf vorbereitet?
Fuchs: Ich kann Problemfelder erschließen, Lösungsansätze strukturiert erarbeiten und Gegebenheiten reflektieren.

EHD: Welche Entwicklungsperspektiven sehen Sie?
Fuchs: Mittel- bis längerfristig strebe eine Stelle mit Führungsverantwortung an. Da mein thematischer Schwerpunkt während des Studiums sich auf „Menschen mit Demenz“ konzentrierte, möchte ich diesen perspektivisch weiter ausbauen und darin Erfahrungen sammeln.


Dr. Tobias Mai,

Abschlussjahr 2003, arbeitet in der Stabsstelle Pflegeentwickung/Nursing Research der Pflegedirektion der Uniklinik Frankfurt.

EHD: Was sind Ihre Aufgaben?
Mai: Ich berate das Pflegemanagement zu Fragen an und Erkenntnissen aus der Pflegewissenschaft, zu Reorganisation und Prozessoptimierung in der Pflege. Im Auftrag des Managements führe ich Projekte und deren Evaluationen durch. Dazu zählen auch die Implementierung und Evaluation der Expertenstandards, also Qualitätssicherung. Hinsichtlich einzelner Projekte oder im Rahmen der Expertenstandards konzipiere ich Schulungen für die Mitarbeiter und führe diese auch durch.

EHD: Wie hat Sie ihr Studium an der EHD darauf vorbereitet?
Mai: Insbesondere für das Suchen, Finden und Verstehen relevanter Fachliteratur und das selbständige Erschließen neuer Inhalte war das Studium hilfreich. Es lehrte mich auch im analytischen und konstruktiven Denken, in rechtlichen Grundlagen und der Berufspolitik, sowie im wissenschaftlichen Arbeiten. Das Verstehen von Systemen, Organisationen und Managementstrukturen hilft mir ebenso in der täglichen Arbeit, wie die im Studium vermittelten Grundlagen in Gesprächsführung, Konfliktmanagement und zu Beratungsprozessen.

EHD: Welche Entwicklungsperspektiven sehen Sie?
Mai: Ich nehme positiv war, dass die Pflegewissenschaft perspektivisch zunehmend in Kreisen anderer Professionen wahrgenommen und in wissenschaftliche Debatten eingebunden wird. Ich wünsche mir, dass meine Kompetenzen als Pflegewissenschaftler auch konkreter in der Praxis abgerufen werden, Erkenntnisse ernst genommen und Empfehlungen in die Praxis umgesetzt werden.


Marlen Holnick,

Abschlussjahr 2003, arbeitet mit einem Doppelabschluss als Dipl. Pflegewirtin und Dipl. Juristin beim Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz in der Abteilung Sozialpolitik und Sozialrecht.

EHD: Was sind Ihre Aufgaben?
Holnick: Meine Aufgaben liegen zum einen in der Rechtsberatung und -vertretung unserer Mitglieder im gesamten Bereich des Sozialrechts. Schwerpunkte sind hierbei das Kranken- und Pflegeversicherungsrecht, wie beispielsweise das Führen von Widerspruchsverfahren bei Streitigkeiten zum Krankengeld oder zur Einstufung in eine Pflegestufe. Anfragen kommen jedoch auch aus anderen sozialrechtlichen Bereichen wie dem Rentenrecht, der Sozialhilfe/Grundsicherung oder dem Unfallversicherungsrecht. Ein weiteres Handlungsfeld meiner täglichen Arbeit ist die Sozialpolitik in Form von Stellungnahmen zu Gesetzen, sozialpolitischen Anträgen oder Vorträgen zu gesundheitspolitischen Themen.

EHD: Wie hat Sie ihr Studium an der EHD darauf vorbereitet?
Holnick: Das Studium an der EHD hat mich dahin gehend sehr gut vorbereitet, dass ich wissenschaftlich arbeiten kann und gleichzeitig durch die zahlreichen Praktika im Laufe des Studiums auch die Seite der Betroffenen und Angehörigen kenne. Zudem hat mir dieses Studium in Verbindung mit dem Studium der Rechtswissenschaften ein fachübergreifendes Wissen vermittelt und bietet nun die Optionen, vielseitige Berufsfelder anzuvisieren.

EHD: Welche Entwicklungsperspektiven sehen Sie?
Holnick: Perspektivisch sehe ich für mich viele Handlungsfelder im sozialpolitischen Bereich und die damit verbundenen Einflussmöglichkeiten. Durch meinen fachübergreifenden Ausbildungsweg würde ich mein Wissen gern sowohl bei der Gestaltung rechtlicher Rahmenbedingungen als auch bei der Umsetzung von Reformen im Gesundheits- und Pflegebereich einbringen.
Die Gründung einer Pflegekammer ist beispielsweise ein Bereich der Sozialpolitik, durch welche eine Aufwertung der Berufsgruppen der Pflege möglich ist und auch Pflegewissenschaftler mit ihrem Fachwissen eine bedeutende Rolle spielen können. Eine Professionalisierung der Pflege und ein Umdenken in den Köpfen der Menschen, was unter Pflege zu verstehen ist, aber auch wie die Wertschätzung in diesem Bereich gesteigert werden kann, sollte in verschiedenen Kontexten betrachtet werden. Ich sehe hier eine Vorreiterrolle  für die Pflegewissenschaften.


Ludger Kosan,

Abschlussjahr 1998, ist stellvertretender Pflegedirektor am Uni-Klinikum Erlangen.

EHD: Was sind Ihre Aufgaben?
Kosan: Als stellvertretender Pflegedirektor bin ich zugleich stellvertretendes Vorstandsmitglied. In beiden Funktionen unterstütze ich meinen Chef in allen Themenbereichen die in der Pflegedirektion aufliegen. Zu meinen festen Aufgabenbereichen zählt beispielsweise die Vorbereitung der internen Personalbudgets, die  im Anschluss mit den Klinikdirektoren verhandelt werden. Darüber hinaus bin ich  Ansprechpartner bei Entscheidungen und Zielfestlegungen für die Leitungen der klinikeigenen Akademie und leite das  strategische Projektmanagement für den gesamten Pflegedienst. Projekte,  die ich in den letzten Jahren geleitet habe, sind z.B. die Inbetriebnahme der Zentralen Sterilisationsaufbereitung, die Einführung interner Leistungsverrechnung im klinischen Sozialdienst, DIN/ISO Zertifizierung des Pflegedienstes, aber auch Softwareumstellung für das Apothekensystem oder die Etablierung einer Kommunikationskultur in unserem Bereich.

EHD: Wie hat Sie ihr Studium an der EHD darauf vorbereitet?
Kosan: Die Studieninhalte waren und sind eine Bereicherung für die tägliche Arbeit. Neben den fachwissenschaftlichen Inhalten profitiere ich besonders davon, offen für Veränderungen zu sein, für meine Positionen einzutreten, aber auch Diskussionen zu führen und Konflikte zu lösen.

EHD: Welche Entwicklungsperspektiven sehen Sie?
Kosan: PflegewissenschaftlerInnen sind Change Agents im Gesundheitswesen mit einer ausgewiesenen Expertise, die wir für entsprechende Stellen selbst gerne einstellen. Aus Sicht der Patientenversorgung benötigt die Pflege weiterhin eine nachhaltige  Professionalisierung der Handelnden.

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