Von der Bibelschule zu den Fachbereichen Sozialpädagogik und Kirchliche Gemeindepraxis

Am 3. Mai 1949 begann die religionspädagogische Ausbildung in Darmstadt am Diakonissenhaus Elisabethenstift mit dem ersten Kurs der »Bibelschule«. Sie wurde als »Kirchlich anerkannte Frauenschule für den Dienst in der Kirche und Inneren Mission« (so der offizielle Name) gegründet, »weil die vielfältigen Aufgaben der Kirche den Ruf nach gründlich geschulten Mitarbeiterinnen immer dringlicher machten«. Das Elisabethenstift - 1858 gegründet - hat schon von Anfang an Ausbildungsaufgaben übernommen, vor allem im Bereich des Pflegedienstes. Seine Krankenpflegeschule ist seit 1909 staatlich anerkannt.
1949 begann die sozialpädagogische Ausbildung mit der Gründung einer Ausbildungsstätte für »Kinderschulschwestern«. Daraus entstand das Kindergärtnerinnen-Seminar. aus dem sowohl die heute noch zum Elisabethenstift gehörende Fachschule für Sozialpädagogik als auch der Fachbereich Sozialpädagogik der Evangelischen Fachhochschule hervorgingen.

Nach dem zweiten Weltkrieg sah das Elisabethenstift seine Aufgabe darin, »der hessischen Kirche mit der Gründung einer Bibelschule zu dienen«. Pfarrer Bernhard Knell als Stiftsvorsteher, Pfarrer Erich Psczolla als Leiter der Ausbildungsstätten und die Diakonisse Ria Ratz haben diese Initiative verwirklicht und den Unterricht übernommen - zusammen mit neun »Lehrbeauftragten«, zu denen auch der damalige Stadtjugendpfarrer Walter Rathgeber gehörte, der später als Hauptgeschäftsführer des Diakonischen Werkes die Gründung der Evangelischen Fachhochschule entscheidend förderte.

Nachdem Bernhard Knell 1952 das Amt des Stellvertreters der Kirchenpräsidenten übernahm, hat Pfarrer Erich Psczolla zusammen mit Schwester Ria Ratz die ersten beiden Jahrzehnte der religionspädagogischen Ausbildung entscheidend geprägt und die Entwicklung in Richtung Fachhochschule eingeleitet. Die religionspädagogische Arbeit verdankt in dieser Phase besonders viel dem Wirken von Pfarrer Günther Schwenzel.

Er benennt als zentralen Ausbildungsinhalt die biblisch-theologische Grundlegung, verbunden mit der Didaktik und Methodik ihrer Vermittlung besonders in Kinder- und Jugendarbeit und Religionsunterricht. Zu Beginn dauern die Kurse, die stark von einem Wechsel der Lernorte Schule und Praxis bestimmt sind, zwei Jahre und es wird nur in jedem zweiten Jahr ein Kurs von 16 Schülerinnen aufgenommen; 1956 beginnt die jährliche Aufnahme. 1960 wird die Ausbildung auf zweieinhalb, 1964 auf drei Jahre ausgeweitet. Vom 8. Kurs ab im Jahre 1959 werden auch Männer zugelassen; die Schule ändert ihren inzwischen erworbenen Namen »Bibelschule - Kirchlich anerkanntes Seminar für Gcmeindehelferinnen und Katechetinnen« ( 1956) in die geschlechtsneutrale Bezeichnung »Seminar für kirchlichen Gemeindedienst und evangelische Unterweisung«. Geschah Ausbildung und Unterbringung zunächst in den Räumen des Mutterhauses, so machten jährliche Aufnahme und Ausweitung der Ausbildungszeit einen Neubau nötig, der 1961 eingeweiht werden konnte und nach dem 1957 verstorbenen Stiftsvorsteher und Gründer den Namen »Bernhard Knell-Haus« erhielt.

Lassen schon die bisherigen Daten erkennen, dass die Seminarleitung notwendige Entwicklungen der Ausbildung und Anpassungen an berufliche Qualifikationsanforderungen bewusst mit vollzog, so deutet die Umbenennung in »Höhere Fachschule für kirchliche und religionspädagogische Dienste« 1968 auf das Interesse, dass die Mitarbeiter im Gemeindedienst anderen kirchlichen Mitarbeitern aus vergleichbaren Ausbildungsgängen an Fachkompetenz und Status gleichwertig seien. Zugleich vollzieht sich damit eine stärkere Akzentuierung im humanwissenschaftlichen, allgemeinbildenden und medienpädagogischen Bereich, aber auch bei damit gebotener bewusster Nähe zu den sozialpädagogischen Ausbildungen beim gleichen Träger eine zunehmende Verselbständigung.

Nach dem Ausscheiden von Schwester Ria Ratz aus der Ausbildungsarbeit wird der seit April 1968 an der Höheren Fachschule lehrende Pfarrer Ferdinand Barth im Juli 1969 Leiter der Höheren Fachschule, ihm kommen auch die konzeptionellen Arbeiten bei der Entwicklung zur Fachhochschule zu. Er wird zum 1.8. 1971 mit der Gründung der Evangelischen Fachhochschule Gründungsfachbereichsleiter des Fachbereichs Kirchliche Gemeindepraxis, der damals aufgrund der Nachwuchssituation im Gemeindehelferberuf mit seinen 16 Studenten der Zwerg unter den drei Fachbereichen war.

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