Studieren in weiteren besonderen Lebenslagen

(z. B. bei Pflege von nahen Angehörigen aufgrund von Erkrankung oder anderer Hilfsbedürftigkeit)

Die Pflegebedürftigkeit eines Familienmitgliedes tritt häufig ohne Vorwarnung ein und stellt oft eine große Herausforderung dar. Diese Anforderungen bedeuten für die pflegenden Angehörigen eine enorme zeitliche, körperliche und psychische Belastung. Die EHD versucht durch verschiedene Hilfestellungen, wie z. B. den Nachteilsausgleich, Nachteile bei der Erbringung von Studien- und Prüfungsleistungen zu verhindern.

Antrag auf Beurlaubung

Auf Antrag können Studierende aus wichtigem Grund beurlaubt werden. Hierzu zählt auch:

  • die Pflege von nach ärztlichem Zeugnis pflegebedürftigen Angehörigen (siehe Immatrikulationsordnung § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4).

Die Beurlaubung ist nur für volle Semester möglich. Nach Immatrikulationsordnung § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 bis 6 sind Beurlaubte mit der Pflege von Angehörigen berechtigt an Lehrveranstaltungen teilzunehmen sowie Studien- und Prüfungsleistungen zu erbringen.

Der Antrag auf Beurlaubung ist innerhalb der Rückmeldefrist beim Studierendensekretariat bzw. über das Campus-Management-System (CAS) zu stellen. Eine rückwirkende Beurlaubung für ein abgeschlossenes Semester ist ausgeschlossen.

Mit dem Antrag sind die erforderlichen Nachweise vorzulegen. Beizufügen ist bspw. ein Pflegebescheid des Sozialversicherungsträgers (Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung pflegebedürftigen nahen Angehörigen mit Zuordnung eines Pflegegrades nach § 15 Abs. 3 SGB XI) und Erklärung der Antragstellerin/ des Antragstellers, dass die Pflege gemäß Pflegebescheid von dieser /diesem übernommen wird

Antrag auf Teilzeitstudium

Bewerberinnen und Bewerber sowie Studierende können in grundständigen und konsekutiven Studiengängen auch für ein Teilzeitstudium immatrikuliert oder rückgemeldet werden, wenn und soweit die Prüfungsordnung des gewählten Studiengangs der mit einer Hochschulprüfung abschließt, dies nicht ausschließt und sie aufgrund von Erwerbstätigkeit, wegen der Betreuung von Angehörigen, wegen einer sich auf das Studium auswirkenden Behinderung oder chronischen Erkrankung oder aus einem vergleichbaren wichtigen Grund ihr Studium nicht als Vollzeitstudium betreiben können. Weitere Informationen zur Regelung finden sich in der Immatrikulationsordnung § 11.

Nachteilsausgleich

Durch die Wahrnehmung von Familienaufgaben (z. B. die Pflege von pflegebedürftigen Angehörigen) können für Studierende Nachteile im Studium bzw. bei den Prüfungen entstehen. Ein Nachteilsausgleich soll dazu beitragen, diesen entgegenzuwirken, indem die Bedingungen von Studien- und Prüfungsleistungen an die individuellen Bedürfnisse der betroffenen Studierenden angepasst werden und somit auch Chancengleichheit hergestellt wird. Ein Nachteilsausgleich bedeutet allerdings keine Erleichterung der inhaltlichen Studienanforderungen oder Bevorteilung dieser Studierendengruppe. Es geht lediglich darum, eine (formelle) Anpassung der Studien- und Prüfungsbedingungen an die durch bestimmte Familienaufgaben hervorgerufenen Nachteile vorzunehmen. Die fachlichen und inhaltlichen Ansprüche an die Studierenden bleiben dabei unverändert.

Der Antrag soll zum Beginn des Semesters, in dem die Prüfung abgelegt werden soll, im Prüfungsamt in schriftlicher Form vorliegen. Bei Prüfungen, die vor dem Semesterbeginn liegen, soll er spätestens vier Wochen vor dem Prüfungstermin gestellt werden. Beruft sich ein Prüfling erst nachdem er die Prüfung bereits absolviert hat auf einen Nachteilsausgleich, so ist eine nachträgliche Aufhebung oder Neubewertung der Prüfung nicht möglich.

Im Antrag ist zu spezifizieren, für welche Prüfung eine Sonderregelung beantragt wird, welche Sonderregelung beantragt wird und welche Gründe für die beantragte Regelung bestehen. Der Nachteilsausgleich ist schriftlich mit der Meldung zur Prüfung beim Prüfungsamt zu beantragen und durch entsprechende Nachweise zu belegen, um dem Prüfungsausschuss eine zügige und angemessene Entscheidung über die jeweiligen Prüfungsmodifikationen zu ermöglichen. Es kann sinnvoll sein, dass die betreffenden prüfenden Lehrenden oder die/ der Vorsitzende des Prüfungsausschusses mit den zu prüfenden Studierenden ein Vorgespräch führt, um die bedarfsgerechte Modifikation von Bedingungen festzulegen.

Mit dem Antrag sind die erforderlichen Nachweise vorzulegen. Beizufügen ist bspw. ein Pflegebescheid des Sozialversicherungsträgers (Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung pflegebedürftigen nahen Angehörigen mit Zuordnung eines Pflegegrades nach § 15 Abs. 3 SGB XI) und Erklärung der Antragstellerin/ des Antragstellers, dass die Pflege gemäß Pflegebescheid von dieser/ diesem übernommen wird.

Hinweise zur Gestaltung von Nachteilsausgleichen bei Studien- und Prüfungsleistungen Pflege von nahen Angehörigen

Die Festlegung der konkreten Form des Nachteilsausgleichs erfolgt grundsätzlich individuell und auf Antrag. Eine pauschale Empfehlung bestimmter Maßnahmen bei bestimmten sozialen Situationen ist nicht möglich, da auch die Wechselwirkungen zwischen individueller Situation sowie relevanter Studien- und Prüfungsbedingungen betrachtet werden müssen. Daher können bei ähnlichen sozialen Rahmenbedingungen unterschiedliche Formen des Nachteilsausgleichs zur Anwendung kommen. Ein Anspruch auf einen bestimmten Nachteilsausgleich besteht nicht.

Nachteilsausgleiche bei Studien- und Prüfungsleistungen können z. B. sein: 

  • Zeitverlängerungen für Hausarbeiten und Prüfungen
  • erlaubte Fehlzeiten bei Anwesenheitspflicht
  • Verlängerung der Prüfungszeiträume
  • zeitliche Entzerrung, d.h. Aufteilen von Prüfungen
  • Umwandlung von mündlichen in schriftliche Prüfungen (und umgekehrt)

Weitere Unterstützungen und Hinweise

Pflegestützpunkte in Hessen

Pflegestützpunkte in Ihrer Stadt oder Ihrem Kreis helfen bei der Organisation und Koordination von Pflege und Betreuung bei Fragen rund um Pflege und Versorgung. Weitere Information, Beratung, Unterstützung, Vermittlung und Koordination sind zu finden beim zuständigen Pflegestützpunkt in Hessen auf:

https://www.pflege-in-hessen.de/beratung-und-information/pflegestuetzpunkte/

Datenbank Pflegestützpunkte bundesweit

In der Datenbank des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) können alle gelisteten Pflegestützpunkte nachschlagen werden: https://www.zqp.de/beratung-pflege/

Pflegetelefon und Informationsportal „Wege zur Pflege“

Als Lotse zu den Angeboten vor Ort für alle Fragen rund um das Thema „Pflege und Hilfe im Alter“ soll das Servicetelefon Hilfe und Unterstützung bieten. Das Pflegetelefon kooperiert außerdem mit der Telefonseelsorge, dem Alzheimer-Telefon sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft der Krisentelefone. Zum 1. Januar 2016 wurde das Beratungsangebot des Pflegetelefons erweitert - Pflegebedürftige und pflegende Angehörige können sich nun auch in belastenden und kritischen Situationen direkt an die Beratung wenden.

Das Pflegetelefon ist montags bis donnerstags von 9:00 bis 18:00 Uhr unter der Telefonnummer 030 201 79131 und per E-Mail an infoping@wege-zur-pflegepong.de zu erreichen. Informationen zu den Themen Pflege, Wohnen, Demenz und Familienpflegezeit sind auch auf dem Informationsportal www.wege-zur-pflege.de erhältlich.

Verlängerung der BAföG – Förderungshöchstdauer

Studierende, die BAföG erhalten: Seit August 2019 wird die Pflege eines/einer pflegebedürftigen nahen Angehörigen mit mindestens Pflegegrad 3 für die BAföG-Förderungsdauer als Verlängerungsgrund anerkannt.  Weitere Infos hierzu unter: https://www.bafoeg-rechner.de/FAQ/bafoeg-verlaengern.php(§ 15 Abs. 3 Nr. 2 BAföG)

Längere Mitgliedschaft in der studentischen Kranken- und Pflegeversicherung

Bei der Überschreitung des 14. Fachsemesters und ohne Hinderungsgründe bei Überschreiten des 30-igsten Lebensjahres fielen Studierende bis Ende 2019 aus der günstigen studentischen Krankenversicherung heraus. Mit Inkrafttreten des MDK-Reformgesetz 1. Januar 2020 ist die Begrenzung der studentischen Krankenversicherung auf eine Höchstsemesteranzahl (14 Fachsemester) entfallen. Das Geltendmachen von Hinderungsgründen wie z. B.
- "Erkrankungen und Behinderungen von Familienangehörigen, soweit dadurch eine Betreuung oder Pflege durch den Studenten erforderlich war. Hier ist eine Verlängerung der Versicherungspflicht um den Zeitraum möglich, um den eine Teilnahme am Studium nicht oder nur in eingeschränktem Maße möglich war" - konnte bisher die Mitgliedschaft über die Altersgrenze des vollendeten 30. Lebensjahres bis zu einer absoluten Altersgrenze von 37 Jahren verlängern. Diese absolute Altersgrenze vor 37 Jahren ist durch das MDK-Reformgesetz seit 1. Januar 2020 aufgehoben. Unverändert bleibt jedoch, dass nur Hinderungsgründe vor Vollendung des 30. Lebensjahres bei der Verlängerung der Versicherungspflicht Berücksichtigung finden können und dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Hinderungsgrund und dem Überschreiten der Altershöchstgrenze bestehen muss.

Rentenansprüche für Pflegepersonen

Wenn man als Studierende/r als Pflegeperson in die häusliche Pflege eines nahen Angehörigen mit regelmäßig mindestens 10 Stunden pro Woche über einen längeren Zeitraum eingebunden sind (dann sind Sie Pflegeperson im Sinne des §19 SGBXI), steht Ihnen die Zahlung von Rentenbeiträgen von der Pflegekasse der Pflegebedürftigen zu, die Sie dort ggf. beantragen müssen. Sollte die Pflegekasse Sie nicht darüber informiert haben, fragen Sie dort nach. Mehr Infos gibt es unter:  https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Rente/Familie-und-Kinder/Angehoerige-pflegen/angehoerige-pflegen.html

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