Zukunftsfähige Wirklichkeit - Besinnung zur Passionszeit

 

Zum Semesterbeginn die Hochschule fast menschenleer. Wo jetzt Veranstaltungen, Lachen und Gespräche das Bild bestimmen sollten, Praktika stattfänden, gemeinsames Lernen, essen, in der Sonne sitzen, auch Besuche, Feste und Urlaubspläne, - alles hinfällig. Die einen leiden unter den so eingeschränkten Kontakten, manche genießen den verlangsamten Rhythmus, andere plagt, dass man sich in der Enge der Wohnung kaum aus dem Weg gehen und einmal ungestört alleine sein kann. Vielen bricht ihr Einkommen weg, ihre wirtschaftliche Existenz. Coronazeiten. Selbstverständlich Scheinendes ist zumindest fraglich. Wie soll es gehen? Sorgen und Ängste tun sich auf, manche werden schier erdrückt von sehr viel Arbeit.

Die Krise greift tiefer, schafft eine Enttäuschung und Desillusionierung über die Sicherheit und das gefühlte Recht darauf, dass es einem gut geht. Auch die Desillusionierung über geglaubte Unabhängigkeiten und scheinbar einfach Richtiges. Schutz steht gegen Freiheit und Nähe, ja Leben gegen Leben. Lasten auf sich nehmen für den Nächsten, für andere, Fehler und Schuld anderer aushalten und er-tragen; Last und Schuld, die wir nicht wirklich lösen können. Passionszeit. Das Kreuz als Zeichen.

Alles wird gut, können wir nicht wahr machen. Wir leben auf Hoffnung, die wir an Ostern feiern. Wir feiern geschenktes, geheiltes, erneuertes Leben als Bestimmung und Ziel menschlichen Daseins. Ostern ist ein Perspektivwechsel nach vorne, auf das Verheißene und Kommende hin. Ermutigung, Lasten zu übernehmen und miteinander und füreinander einzustehen, wie Jesus Christus es getan hat. Auferstehung ist die schon heute einzig zukunftsfähige Wirklichkeit unseres Lebens.

Pfr. Helmut Gross


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